Brechelstube

Dem Flachs auf der Spur | Die Filmdoku

 

Das Bildungszentrum Lesachtal und die HLW Hermagor gehen gemeinsam mit der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Abteilung Stadt, Region und räumliche Entwicklung, auf die Spurensuche rund um den Flachsanbau im Lesachtal, der bis in die 1960er-Jahre gepflegt wurde. Flachs war ein wichtiger Rohstoff für die Leinenweberei und lieferte hochwertiges Öl. Die Brechlstube in Oberluggau und die Ölmühle in St. Lorenzen sind noch sichtbare architektonische Relikte aus dieser Zeit.

Ab Herbst 2012 wird im Rahmen des Sparkling Science-Projekts „Landscape and You-th“ der Zusammenhang zwischen lokalem Wissen, Sprache und Landschaft anhand der Geschichte des Anbaues und der Verarbeitung der Kulturpflanze Flachs im Kärntner Lesachtal untersucht. Sparkling Science-Forschungsprojekte fördern die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Universitäten und werden vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) finanziert.

Kamera | Schnitt | Ton | Alfred Regenfelder – Kärntner Medienzentrum für Bildung und Unterricht
Text | Sprecher | Anton Ebner

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Dem Flachs auf der Spur

Mit der alten Nutzpflanze Flachs befassten sich Lesachtaler und Hermagorer Schüler im Rahmen eines generationenübergreifenden Projektes.

Dem Flachs auf der Spur

Schüler beim Brecheln in der Brechelstube in Maria Luggau

Seit zwei Jahren erforschen die Schüler der 3. Klasse des Bildungszentrums Lesachtal und Schüler der HLW Hermagor aus dem Zweig „Kulturtouristik und Projektmanagement“ Gemeinsam mit dem Institut für Interventionsforschung der Universität Klagenfurt alles rund um das Thema Flachs.

„Das war irrsinnig interessant“, schwärmt Ferdinand Stadlober von der HLW, „weil das die letzte Möglichkeit ist, Wissen, das sonst verloren geht, zu sichern“. In mehreren Zeitzeugeninterviews von Maria Luggau bis Birnbaum wurde altes Wissen gesammelt und ausgearbeitet.

Aber auch lustige Anekdoten waren zu hören. So hat eine Zeitzeugin ihren Mann beim „Krageln“ kennengelernt. Wer diesen Ausdruck nicht kennt, hier eine kurze Erklärung. Das Flachsbrecheln war Frauenarbeit. Da es bei der Brechelstube immer sehr heiß war und die Frauen dadurch etwas leichter bekleidet waren, zog es neugierige Männer an. Diesen wurden dann mit dem Flachs der Hals wund gerieben.

Dem Flachs auf der Spur
Schüler mit der Zeitzeugin Veronika Windbichler

Vergangene Woche wurden in einem Zwischenbericht die ersten Resultate der Öffentlichkeit präsentiert. So entstand im Rahmen des Projektes in Zusammenarbeit mit dem Medienzentrum Kärnten der Zeichentrickfilm „Dem Flachs auf der Spur“. Darin wurde das Brauchtum das Jahr hindurch rund um die wertvolle Pflanze festgehalten.

Lisa-Maria Guggenberger und Ferdinand Stadlober haben als Maturaprojekt in Zusammenarbeit mit dem HTL Schüler Peter Waysocher eine Handy-App zum Lesachtaler Flachs erarbeitet. Schon im heurigen Sommer können sich Interessierte den Flachs-App herunterladen und sie werden in Maria Luggau durch den Klostergarten geführt, dann weiter in die Basilika, von dort zum Mühlenmuseum, dann zur wasserbetriebenen Seilbahn, zur Brechelstube und wieder zurück in den Bauernladen.

Die Schüler haben auch praktisch gearbeitet. So haben sie im Klostergarten Maria Luggau ein eigenes Flachsfeld betreut. Sie haben eingesät, gejätet und schließlich im Herbst den Flachs „gezogen“, ihn in Bündel gebunden und trocknen gelassen. „Das war aber noch nicht alles“, erzählt Andreas Oitzinger, „wir haben schließlich die Samen mit einer `Bloie` aus den Kapseln geschlagen und zum Pressen von Leinöl gereinigt“.

All die Tätigkeiten der Schüler wurden hier im Blog dokumentiert. „Langweilig wurde es uns bei dem Projekt nicht“, sagt Anna-Franziska Unterguggenberger, „unser erlangtes Wissen haben wir in einem Flachsrap präsentiert, wobei wir den Text und die Melodie mit unseren Lehrern erarbeitet haben“. „Die Arbeit der Schüler wurde auch von der österreichischen UNESCO-Kommission als Dekadenprojekt ausgezeichnet“, freut sich die Leiterin des Projektes „Dem Flachs auf der Spur“, Andrea Sieber von der Universität Klagenfurt.

Damit aber noch nicht genug. In einer einstündigen Sendung auf „Radio Agora“ erzählen die Schüler alles, was sie über den Flachs erfahren haben.

Info: „Dem Flachs auf der Spur“, in Radio Agora auf 105,5, am 24. Juni 2014,  von 18.02 – 19.00 Uhr.

 

Text / Fotos / Hans Guggenberger
Artikel erschien in: OBERKÄRNTNER VOLLTREFFER, 23.Juni 2014

Lesachtaler Flachs | Trickfilm

TRICKFILM: Dem Flachs auf der Spur
Rituale und Bräuche im Jahreslauf

Zeichnungen
KLAMMER Verena
LADSTÄTTER Manuel
NASCHENWENG Chiara
SEIWALD Raphael
UMFAHRER Leonie
WINKLER Dominik
WURZER Karin Dipl.Päd.

SprecherIn
OBERLUGGAUER Claudia
TIEFENBACHER Samuel

Musik
Trachtenkapelle Liesing
Produktion
Kärntner Medienzentrum | Rauter Johann
Spittal an der Drau, April 2014

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Wir haben noch nie einen Trickfilm gemacht, deshalb war es sehr spannend. Es war interessant, lustig und aufregend. Probleme hatte ich dabei keine, aber es war wirklich schwer die Figuren für den Trickfilm zu zeichnen. Das Endergebnis, der Trickfilm gefällt mir sehr gut.
Leonie Umfahrer

Es war sehr schwierig den Trickfilm im Gesamten zu Malen, doch es hat Spaß gemacht mit den vielen verschiedenen Farben zu malen. Es war auch lustig, so viel Neues zu lernen über die Bräuche im Lesachtal zum Flachs. Das war spannend dann zu zeichnen. Was sicher schwer war, war das Vertonen. Beim Malen war es schwer, die Figuren zu zeichnen.  Mir gefällt unser Film sehr, sehr gut.
Chiara Naschenweng

Wir sind in das Medienzentrum nach Spital gefahren. Dort haben wir den Trickfilm vertont. Das Sprechen war einfach für mich. Wir haben es nicht oft durchmachen müssen. Ich habe mir den Flachstext zwei- dreimal durchgelesen. Und dann ist es tadellos gegangen. Ich finde, der Film ist eine gute Arbeit!!!
Samuel

Die Zeichentrickfilmherstellung war spannend und lustig. Wir haben uns überlegt, was wir von den Geschichten aus den Interviews zeichnen wollen, das Zeichnen war schwierig, die Musik dazu paßt sehr gut. Insgesamt ist das Projekt sehr schön und ich lerne viel Neues über das Lesachtal hier.
Verena

Die Hintergründe zu zeichnen fand ich schwer beim Trickfilm. Es ist unsere Landschaft vom Lesachtal, die wir gezeichnet haben. Da im Vordergrund spielten dann die Geschichten vom Flachs. Die Bräuche haben wir von meiner Oma gehört und dann gezeichnet. Und dann kamen die Sprecher und die Musik dazu. Wir machen ganz viele spannende Sachen zum Flachs.
Dominik

Zwischenrückblicke – was gefällt mir besonders im Projekt?

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Am Anfang wußte ich nichts über Flachs, gar nichts. Und jetzt bin ich Profi. Ich weiß von den Bräuchen, vom Anbau, vom Leinen und, und ,und. Es ist sehr gut erzählt und gemacht. Von Hermagor sind die großen Schüler auch bei uns im Projekt dabei. Wir lernen gemeinsam. Aber die Maturanten unterrichten uns sogar auch und machen ihre Maturaarbeit zum Projekt. Es ist sehr nett und es gibt viel zu erfahren zum Thema und das Lesachtal, es ist nicht wie Schule sonst, es ist mit viel mehr Abwechslung.
Selina

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Das gemeinsame Erstellen des Flachs-Rap war toll. Es gab eine Rapmelodie und den Text zum Flachs. Da kommt alles zum Flachs vor.Wir haben drei Tage geprobt und dann den Rap in der Schule und bei der Eröffnung des Klostergartens für alle aufgeführt. Der Rap ist auch im internet zu hören und sehen.
Victoria

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Was mir besonders gefallen hat: der Ausflug nach Eberndorf zur Dämmstofffabrik, das Saatgut ausbringen, das Brecheln, das Krageln, die Interviews führen, das Jäten, das Flachs ziehen, das Flachs trocknen, das Samen ausschlagen, das Hacheln, der Internetblog, die Buttons machen. Wir haben viel selbst ausprobiert. Das gefällt mir. Viel Praktisches.
Andreas

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Das Krageln war besonders lustig. Weil mir mit dem grobgebrechelten Büscheln vom Flachs den Buben im Nacken gekrakelt haben. Das haben die Frauen früher getan, wenn die Buben sie heimlich belauscht haben an der Brechlstube. Das war interessant zu hören. Die Frauen haben dann gesagt, `Mi hobm oda Geld zahln`. Dann haben sich die Bubn entscheiden müssen: Entweder das Mädchen heiraten oder Geld bezahlen. Wir haben viele solche Geschichten erfahren bei der Brechlstube und bei den Interviews. Das ist spannend.
Anna-F.

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Es hat mir alles sehr gefallen bisher: die Pantomine, die interviews, das Brecheln, das Backen der Flachswickel, den Flachs-Rap, das Saatguttüten machen, die Wandzeitung, der Blog, das Anbauen vom Flachs. Sehr schön fand ich das Bauen der Leinwände. Zuerst haben wir einen Holzrahmen gebaut, dann mit unserem Leinen bespannt. Und dann grundiert. Nachher haben wir dann uns Motive zum Flachs ausgedacht und sie mit Leinölfarben darauf gezeichnet. Das Bild hängt jetzt in meinem Zimmer zuhause. Das war sehr schön.
Anna-M.

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Wir waren in Eberndorf. Dort war ein Flachsbauer, der alles verarbeitet vom Flachs. Der Bauer hat alle Flachsmaschinen selber gebaut: Eine Ölpresse und eine Maschine für Damm-Material aus Flachs. Wir durften Kostproben vom Leinöl nehmen.
Simon

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Wir haben den Flachs im Klostergarten in Maria Luggau ausgesaat und dann im September geerntet, in Bündeln gebunden und getrocknet. Nach einem Monat war der Flachs trocken. Und die Verarbeitung geht los. Jetzt wissen wir wie das alles geht und kennen uns aus.Das Leinölpressen fand ich auch sehr interessant. Und unseren eigenen Flachs-Rap machen. Die Interviews mit den alten Menschen führen. Fragen stellen zu können, war sehr spannend.
Johannes

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Mir hat sehr gut das Herstellen von Leinentaschen gefallen. Von Zuhause haben wir Leinenballen mitgebracht. Grobes und feines von den Großeltern. Und dann haben wir mit Leinölfarben Flachsblüten draufgemalt. Dann wurden sie genäht, gewaschen, gebügelt und getrocknet. Wir konnten sie mit nach Hause nehmen.Sie sind so schön geworden.
Nicole

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Am besten hat mir im Flachsprojekt das Brecheln vom Flachs gefallen. Aber vieles andere auch. Eigentlich alles. Beim Brecheln wurde die Brechlstube eingeheizt, wir Buben haben Holz nachgelegt. In der Brechlstube wurde es ganz warm. Dort hat es keine Fenster. Die Wände sind schwarz vor Russ. Wenn wir die Wände angegriffen haben, wurden wir auch schwarz. Das Flachs aus der Brechlstube haben wir draußen gebrechelt. Aber wir haben trotzdem sehr geschwitzt, weil es anstrendend war. Früher haben das nur Frauen gemacht das Brecheln. Den Flachs-Rap fand ich toll. Und das Flachs ziehen bei der Ernte und zusammen bündeln. Später durften wir Buben dann die Kapseln mit einem Ploil ausschlagen. Die Samen sind auf einer Folie gelandet. Wir haben sie dann mit einem Sieb gereinigt. Wir wissen jetzt wie das alles geht. Das ist spannend.
Gernot

 

 

Vom Flachs

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Die Abschlussarbeit von Luisa Thurner, HLW Hermagor, gibt Einblicke in die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Flachs.

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Rückblicke

Flachsworkshop im April 2013 am Bildungszentrum Lesachtal

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Fotos | Layout | Andrea SIEBER

Hier gibt es den Schnittbogen für die Samentüte:

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Vom Flachsanbau im Lesachtal

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Das Brecheln des Flachses

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Die Brechelstube

Der Flachs wird in der Brechelstube getrocknet und er wird dazu auf den Balken gelegt. Damit die Brechelstube warm bleibt gibt es auf der Außenseite einen Ofen, den man 2 Tage vorher einheizt. So bleibt die  Brechelstube schön warm.

Gernot Lanzinger, 11 Jahre, 2a, NMS Lesachtal

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Das Brecheln

Wenn man Flachs erntet, muss man ihn trocknen und dann brecheln. Die Frauen haben früher sehr viel Flachs gebrechelt.

Victoria Engeler, 12 Jahre, 2a, NMS Lesachtal

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Das Hacheln

Nach dem Brecheln kommt das Hacheln an die Reihe. Die Fasern, die beim Brecheln übrig bleiben werden  durch die Hachel gezogen. Das funktioniert wie ein Kamm. Die Fasern werden in Grob und Fein geteilt, in dem man sie durch die Hachel zieht. Aus den groben Fasern werden Grobe Leinen hergestellt und aus den Feinen besonders feines Leinen. Aber auch gedrehte Zöpfe werden  gemacht, diese schenkt man nach Brauch einer Frau oder Dame.

Anna-Franziska Unterguggenberger  11 Jahre,  2a,  NMS Lesachtal

 

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Das Krageln

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Wenn ein Junge um die Brechelstube herumschleicht, und es die Frauen sehen, schleichen sie leise über die Wiese. Auf einmal kommen die Mädchen mit einem Stück Flachs und reiben den Flachs den Jungen um den Hals und sagen: „Ruabm trogen oda  mie hobm“. Dann müssen sie sich erlösen.

Tamara Oitzinger, 13 Jahre, NMS Lesachtal

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