Idee

Landscape and You-th?- ein Oral History Projekt zu lokalem Wissen, Sprache und Landschaft

Das Bildungszentrum Lesachtal und die HLW Hermagor gehen gemeinsam mit der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Abteilung Stadt, Region und räumliche Entwicklung, auf die Spurensuche rund um den Flachsanbau im Lesachtal, der bis in die 1960er-Jahre gepflegt wurde. Flachs war ein wichtiger Rohstoff für die Leinenweberei und lieferte hochwertiges Öl. Die Brechlstube in Oberluggau und die Ölmühle in St. Lorenzen sind noch sichtbare architektonische Relikte aus dieser Zeit.

Ab Herbst 2012 wird im Rahmen des Sparkling Science-Projekts „Landscape and You-th“ der Zusammenhang zwischen lokalem Wissen, Sprache und Landschaft anhand der Geschichte des Anbaues und der Verarbeitung der Kulturpflanze Flachs im Kärntner Lesachtal untersucht. Sparkling Science-Forschungsprojekte fördern die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Universitäten und werden vom Bundesministerium  für Wissenschaft und Forschung (BMWF) finanziert.

Die SchülerInnen des Bildungszentrums Lesachtal und der HLW Hermagor  werden sich gemeinsam auf Spurensuche begeben und im Rahmen des Sparkling Science-Projektes zusammenarbeiten.

Zuerst werden die SchülerInnen durch MitarbeiterInnen der Alpen-Adria Universität im Führen von Erinnerungsinterviews mit Zeitzeugen geschult,  und anschließend werden sie selbst ältere BewohnerInnen im Lesachtal über den ehemaligen Anbau, die Verarbeitungsschritte des Flachses sowie die Bedeutung der Kulturpflanze im bäuerlichen Alltag interviewen.

Sowohl der Kulturverein Lesachtal als auch die Gemeinde Lesachtal, und natürlich die lokale Bevölkerung, werden bei dieser spannenden Spurensuche eingebunden. Die SchülerInnen und LehrerInnen des Bildungszentrums Lesachtal und der HLW Hermagor freuen sich auf jeden Fall schon auf dieses Projekt, welches bis Juni 2014 läuft, und auf die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und den anderen Institutionen.

brecheln

Lesachtaler Bäuerinnen beim Flachsbrecheln

 

Das Projekt Landscape and You-th fokussiert den Zusammenhang zwischen lokalem Wissen, Sprache und Landschaft anhand des Anbaues und der Verarbeitung der Kulturpflanze Flachs im Kärntner Lesachtal.

„Am 5. Januar ziehen jährlich die Kinder des Kärntner Lesachtales zum Haalangreiten – welche Bedeutung hatte der Brauch einst im Zusammenhang mit dem Flachsanbau??- Warum gehört die Brechlhütte in Maria Luggau mehreren Bauernfamilien gemeinsam? Warum hatten Männer beim Flachsbrecheln dort keinen Zugang?“

Zu diesen Fragen um das bäuerliche Erfahrungswissen im Kärntner Lesachtal finden sich kaum schriftliche Antworten. Bis in die 1960er Jahre existierte im Lesachtal der Flachsanbau als ein fester Bestandteil der Selbstversorgung. Er war ein wichtiger Rohstoff für die Leinenweberei und lieferte hochwertiges Öl. Baumwolle und Kunstfasern verdrängten jedoch nach und nach den Flachs als Rohstoff für die Bekleidung; der arbeitsintensive Anbau innerhalb der Berglandwirtschaft wurde zunehmend unrentabel. Spuren der Landnutzungsform wie die Brechlstube und die Ölmühle in Maria Luggau sind heute noch sichtbar.

Erinnerungsinterviews mit ZeitzeugInnen sind zur Zeit noch eine Möglichkeit des Zugriffes auf die lokale Kulturgeschichte des Lesachtales. Sie ist teils nur noch in dieser Form zu erfahren, weil die Menschen ihre lokales Erfahrungswissen zum Teil selbst nicht verschriftlichen oder es teils nicht als kollektiven Wert für die Zukunft wahrnehmen. Mittels Erinnerungsinterviews kann die Rekonstruktion alltäglicher Lebensverhältnisse vorgenommen werden und ihrer sinnhaften Deutung erfolgen. SchülerInnen der Mittelschule des Lesachtales und der HLW Hermagor werden in diesem Erhebungsverfahren geschult und können ältere BewohnerInnen ihrer Region nach den ehemaligen Anbau- und Verarbeitungsschritten des Flachses sowie der Bedeutungen der Kulturpflanze im bäuerlichen Alltag interviewen. Die transkripierten Interviews ermöglichen durch die Detailkenntnis zur konkreten Anbau und Verarbeitung eine Rekonstruktion der zeitlich- räumlichen Nutzungsdynamik als auch des sozioökonomischen Kontextes der Nutzungsweise.

Gehört gehört. Mit den generierten Ergebnissen gestalten die SchülerInnen einen audiellen Hörspaziergang. Dieser dient als ein akustisches Archiv des bäuerlichen Erfahrungswissens um den Flachs – sowohl für die sozialwissenschaftliche Landschaftsforschung als auch zur praktischen Nutzung für Einheimische und TouristInnen im Lesachtal. Die im Forschungsprozess generierten Interaktionen zwischen Mensch und Landschaft werden – sowohl bei den interviewten ZeitzeugInnen als auch bei den interviewführenden Jugendlichen- in Hinblick auf ihre kultur- und gruppenspezifische Bedeutung im Sinne einer Ortsidentität analysiert.

KONTAKT
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Abteilung Stadt, Region und räumliche Entwicklung, Schottenfeldgasse 29/5, 1070 Wien, Projektleitung: Ao. Univ-Prof. Dr. Gerhard Strohmeier T 01 522400-309,

Laufzeit:  September 2012 – August 2014
Projektleitung:  Dr. Gerhard Strohmeier
Wissenschaftliche Mitarbeit:  DI Andrea Sieber
Antragsforschung:  Sparkling Science (BMWF)

Projektpartner

Bildungszentrum Lesachtal, Projektverantwortlicher Lehrer: Dipl. Päd. Hans Guggenberger
HLW Hermagor, Projektverantwortliche LehrerIn: Mag. Gabriele Waysocher
Kulturverein Lesachtal, Dipl. Päd. Brigitte Lugger
Bildungspartner, Kärntner Medienzentrum für Bildung und Unterricht

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