Flachsrap

Anfang Mai ist es soweit,
der Bauer geht aufs Feld, der Acker wird bestellt.
Mit einer löchrigen Dose er sät,
damit das Haar nicht zu dicht aufgeht.
Nach ein paar Wochen das ist gewiss,
der Flachs schon aus der Erde sprießt.
Doch oh je, oh Graus, welch ungemach,
das Unkraut dem Flachs den Acker streitig macht.

Sie brecheln den Flachs,
sie hacheln den Flachs,
sie spinnen den Flachs,
sie weben den Flachs,
und machen Leimat daraus.

Es kommt der Sommer, oh welche Pracht,
das Hoor das blüht in blauer Blütentracht.
Wer das gesehn, das ist gewiss,
die Schönheit des Ackers man nie vergisst.
Es kommt der Herbst, das Hoor wird gezogen,
getrocknet und die Samen aus den Kapseln gebrochen.
Die Bäuerin das Hoor auf an Rane legt,
damit es später gut zum Brecheln geht.

Sie brecheln den Flachs,
sie hacheln den Flachs,
sie spinnen den Flachs,
sie weben den Flachs,
und machen Leimat daraus.

Ist getrocknet das Hoor,
dann kommts zur Brechelstube gonz klor.
Die Frauen sind nun am Werk,
kein Mann darf sich nähern wohlgemerkt,
sonst wird er gekragelt,
und das merkt er sich gewiss,
weil das für seinen Hals nichts Gutes ist.
Und was machen nun die Frauen dann

Sie brecheln den Flachs,
sie hacheln den Flachs,
sie spinnen den Flachs,
sie weben den Flachs,
und machen Leimat daraus.

Und liebe Zuhörer merkts euch geschwind.
Is Hoor geaht durch zweiundsiebzig Händ,
bis man ihn hot amol trogn gekennt.

Text: Hans Guggenberger
Musik: 3A + 3B, Sabine Suppersberger
Video: Alfred Regenfelder | Kärntner Medienzentrum

Fotos: Erich Angermann | Kärntner Medienzentrum

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